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Fragen und Antworten zum tierärztlichen Notfalldienst in Sachsen (FAQ)


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Fragen und Antworten zum tierärztlichen Notfalldienst in Sachsen

Am 2. Oktober 2014 ist die neue Berufsordnung für Tierärzte der Sächsischen Landestierärztekammer vom 23. April 2014 nach Veröffentlichung im Deutschen Tierärzteblatt 10/2014 in Kraft getreten.
Mit folgendem Fragenkatalog möchten wir besonders herausstellen, was sich mit den neu formulierten Regelungen für den Praxisalltag verändert hat und häufig gestellte Fragen beantworten.
Status- und Funktionsbezeichnungen in diesem Fragenkatalog gelten jeweils in männlicher und weiblicher Form.

Allgemeines

Was ist der tierärztliche Notfalldienst?
Tatsächlich ist während des Notfalldienstes die Versorgung von NOTFÄLLEN sicherzustellen, deren Schweregrad es nicht erlaubt, bis zur nächsten regulären Sprechstunde zu warten. Nach Stabilisierung des Patienten oder bei Anforderung tierärztlicher Leistungen ohne Vorliegen einer Notfallsituation, ist der diensthabende Tierarzt berechtigt und gehalten, auf die nächsten regulären Sprechzeiten zu verweisen.

Wann muss ein Notfalldienst bestehen?
Die Sicherung der Notfallversorgung ist lückenlos an Wochenenden (samstags 13:00 Uhr bis montags 7:00 Uhr), Feiertagen und nachts (19:00 – 7:00 Uhr) zu gewährleisten. Beginn und Ende des Notfalldienstes sind bei der Dienstplanung für alle teilnehmenden Praxen verbindlich festzulegen.

Welcher Patientenkreis ist zu berücksichtigen?
Zur Sicherung der Notfallversorgung ist jeder niedergelassene Tierarzt für seine Klientel verantwortlich. Der Begriff „seine Klientel“ bezieht sich dabei nicht auf den eigenen Patientenstamm, sondern impliziert das betreute Tierartenspektrum (z. B. Groß- und Kleintiere oder ausschließlich Kleintiere oder Reptilien) oder ggf. bestimmte Tätigkeitsfelder bei ausschließlicher Spezialisierung der Niederlassung (z. B. reine Augenpraxis oder Hautpraxis).

Wer ist zur Absicherung des Notfalldienstes verpflichtet?
Jeder niedergelassene Tierarzt ist verpflichtet, sich an der Organisation zur Sicherung der Notfallversorgung zu beteiligen. Unter der Voraussetzung, dass die Notfallversorgung der eigenen Klientel abgedeckt wird, besteht jedoch keine Verpflichtung (mehr) zur aktiven Teilnahme am Notfalldienst. Dies kann in gegenseitigem Einvernehmen (auch langfristig) von Kollegen übernommen werden.

Wer ist in Praxen mit mehreren Tierärzten zur Teilnahme am Notfalldienst verpflichtet?
Die Gewährleistung der Sicherung des Notfalldienstes betrifft jeden niedergelassenen Tierarzt. In einer Praxis mit mehreren niedergelassenen Teilhabern (Gemeinschaftspraxis, Gruppenpraxis) hat deshalb jeder der niedergelassenen Tierärzte an den Absprachen zur Organisation des Notfalldienstes teilzunehmen. Das heißt, nicht niedergelassene Tierärzte (Praxisassistenten) sind nicht verpflichtet, die Sicherung des Notfalldienstes zu gewährleisten, können aber auf Anweisung ihres Arbeitgebers in die Einteilung des Notfalldienstes eingebunden werden. Die konkrete Einteilung der Tierärzte und Einbindung in die Dienstpläne ist grundsätzlich frei, unter der Voraussetzung, dass sie in der Kollegenschaft einvernehmlich erfolgt.

Welcher Patientenkreis ist zu berücksichtigen?
Zur Sicherung der Notfallversorgung ist jeder niedergelassene Tierarzt für seine Klientel verantwortlich. Das heißt, er muss im Falle seiner Abwesenheit eigenständig Vorkehrungen zur Versorgung seiner Klientel treffen. Der Begriff „seine Klientel“ impliziert das betreute Tierartenspektrum (z. B. ausschließlich Reptilien) oder ggf. bestimmte Tätigkeitsfelder bei ausschließlicher Spezialisierung der Niederlassung (z. B. reine Augenpraxis).

Wann gilt ein Notfalldienst als abgesichert?
Während des Notdienstes muss die Tierarztpraxis oder der diensthabende Tierarzt jederzeit zumindest telefonisch erreichbar sein, um einen direkten Kontakt herstellen und mit einer Notfallbehandlung schnellstmöglich ohne schuldhaftes Verzögern beginnen zu können. Ist es dem diensthabenden Tierarzt nicht möglich, einen Notfall anzunehmen, da er nachweislich bereits mit einer tierärztlichen Notfallversorgung befasst ist, gilt dies nicht als fehlende Dienstbereitschaft.

Ist der diensthabende Tierarzt verpflichtet, während des Notfalldienstes Hausbesuche zu leisten?
Die Versorgung von Notfällen bei Klein- und Heimtieren erfolgt in der Regel in der Tierarztpraxis. Zum einen können die vorhandenen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten vollumfänglich eingesetzt werden, zum anderen ist die Aufrechterhaltung des Notfalldienstes besser gewährleistet, wenn sich der diensthabende Tierarzt vor Ort in der Tierarztpraxis aufhält. Im Falle besonderer Umstände kann er sich aber nach eigenem Ermessen für einen Hausbesuch entscheiden.
Verfügt die diensthabende Praxis oder Klinik über die Ausstattung zur Notfallbehandlung von Pferden, entscheidet der Tierarzt im Einzelfall nach eigenem Ermessen über Hausbesuch oder Einlieferung des Notfallpatienten.
Die Behandlung von Nutztieren erfolgt unter Beachtung der seuchenhygienischen Grundsätze generell innerhalb der Bestände, so dass auch zur Notfallversorgung von Nutztieren "Hausbesuche" selbstverständlich sind.

Welche Regelungen gelten für Tierärztliche Kliniken?
Kliniken haben einen eigenständigen Notfalldienst entsprechend der Richtlinie über die an eine „Tierärztliche Klinik“ zu stellenden Mindestanforderungen zu gewährleisten. Gemäß der Klinikrichtlinie müssen Kliniken für die Versorgung von Notfällen ständig dienstbereit (365 Tage und Nächte) gehalten werden. Der diensthabende Tierarzt muss sich entweder in der Klinik aufhalten oder durch eine geeignete Kommunikationseinrichtung am Klinikeingang unverzüglich und unmittelbar erreichbar sein.

Organisation des Notfalldienstes

Wie ist der Notfalldienst zu regeln?
Der Notfalldienst ist durch verbindliche Übereinkunft mit Nachbarpraxen/Kliniken lückenlos zu organisieren. Bei den Absprachen zur Organisation ist auf eine Berücksichtigung aller niedergelassenen Tierärzte (nicht Anzahl der Praxen!) zu achten. Die personelle, fachliche, territoriale und zeitliche Gestaltung der einzelnen Notfalldienstbereiche regeln die Tierärzte eigenständig.

Nach welchen Kriterien ist die Einteilung des Notfalldienstes vorzunehmen?
Der Notfalldienst muss eine zeitlich und fachlich ausreichende und angemessene Notfallversorgung sicherstellen. Deshalb ist die kollegiale Einteilung der Notfalldienste so vorzunehmen, dass Kollegen innerhalb sinnvoller regionaler und personeller Ausweitung und überschaubarer Klientel, unter Berücksichtigung ihrer Fachgebiete/-bereiche oder Praxisschwerpunkte sowie der jeweils behandelten Tierarten in ausgewogener Beteiligung als diensthabende Tierärzte vertreten sind. Tierärzte, deren Tätigkeit sich auf bestimmte Spezies oder Fachgebiete/-bereiche beschränkt, sollten auch nur für diese Notfalldienst übernehmen müssen.

Welche Folgen hat es, wenn keine befriedigende kollegiale Übereinkunft erreicht werden kann?
In diesen Fällen muss die Sächsische Landestierärztekammer vermitteln oder selbst Regelungen zum Notfalldienst (Dienstplan) festsetzen.

Wie sind die Patientenbesitzer über den Notfalldienst zu informieren?
Die Information der Patientenbesitzer über die notdiensthabenden Praxen der Region hat „in geeigneter Form“ zu erfolgen. Voraussetzung hierfür ist eine verbraucherfreundliche Zugänglichkeit (kostenfrei/preisgünstig, barrierefrei), die z. B. durch regionale Tages-/ Wochenzeitungen und/oder offene Internet-Seiten gegeben ist. Ferner hat jeder nicht diensthabende Tierarzt am Sitz seiner Niederlassung mit einem gut sichtbaren Schild sowie mit entsprechenden Informationen auf seinem Anrufbeantworter auf die aktuell diensthabenden Tierärzte (Name, Ort, telefonische Erreichbarkeit) hinzuweisen.
Im Falle einer nicht voraussehbaren, kurzfristigen Verhinderung hat der für den Notfalldienst eingeteilte Tierarzt selbst für eine geeignete Vertretung und Information zu sorgen.
Liegt im Notfalldienstbereich eine Tierärztliche Klinik, so sollen deren Kontaktdaten ebenfalls ganzjährig lückenlos bekanntgegeben werden. Es muss zu jedem Zeitpunkt gewährleistet sein, dass sich jeder hilfesuchende Tierhalter darüber unterrichten kann, wann und wo der Notfalldienst in Anspruch genommen werden kann.

Kollegiales Miteinander

Wodurch kann das kollegiale Miteinander wachsen?
Kollegialer und fairer Umgang ist die Voraussetzung dafür, dass sich die Arbeitsbelastungen auf alle Praxen angemessen verteilen können. Dazu einige Empfehlungen:

  • Bei der Erstellung der Dienstpläne ist rechtzeitig auf nicht passende Termine, fehlende Ausstattung der eigenen Praxis, etwaige fehlende fachliche Praxiserfahrung oder andere relevante Einschränkungen hinzuweisen.
  • Im Falle einer nicht voraussehbaren, kurzfristigen Verhinderung des eingeteilten Tierarztes, sollte ein bereitwilliges „Einspringen“ durch kollegiale Unterstützung ermöglicht werden.
  • Es sollte im Kollegenkreis Einigkeit bestehen, dass während des Notfalldienstes nur Notfälle behandelt werden und alle sonstigen Fälle auf die regulären Sprechzeiten der Haus- /Hoftierärzte zu verweisen sind.
  • Auch eine offene Verständigung über den nach GOT anzuwendenden Gebührensatz während des Notfalldienstes dient dem kollegialen Miteinander.
  • Die Information für Tierhalter über notdiensthabende Praxen hat vollständig zu erfolgen. Ein Verschweigen von einzelnen Praxen aufgrund persönlicher Vorbehalte ist der Kollegialität nicht dienlich (und erschwert ggf. auch die Suche nach einer Notdienstpraxis für Tierhalter).
  • Nach Beendigung der Behandlung im Rahmen des Notfalldienstes sind die übernommenen Behandlungsfälle unbedingt und ggf. mit Begleitschreiben zur Weiterbehandlung dem Haus- /Hoftierarzt zu überlassen.

Befreiung vom Notfalldienst

Ist eine Befreiung vom Notfalldienst möglich?
JA, in begründeten Einzelfällen und auf schriftlichen Antrag bei der Sächsischen Landestierärztekammer. Die möglichen Befreiungsgründe sind vom Antragsteller nachzuweisen. Körperliche Behinderungen sind durch behördliche Bescheinigungen (amtsärztliches Attest) zu belegen. Die Befreiung vom Notfalldienst erteilt der Kammervorstand im Rahmen einer Einzelfallentscheidung. Diese kann ganz, teilweise oder vorübergehend gewährt werden.

Welche Gründe können eine Befreiung vom Notfalldienst rechtfertigen?
Dazu zählen:

  • körperliche Behinderung,
  • besonders belastende familiäre Pflichten,
  • Schwangerschaft,
  • Versorgung eines Kleinkindes (bis zu 36 Monate nach der Geburt),
  • Alter über 65 Jahre.

Verstöße

Welche Folgen können Verstöße gegen die Verpflichtung zur Gewährleistung des Notfalldienstes nach sich ziehen?
Verstöße gegen die Verpflichtung zur Gewährleistung des Notfalldienstes sind als berufsunwürdiges Verhalten zu betrachten. Nach Bekanntwerden kann dies je nach Schweregrad und konkreten Folgen des Vorfalles als Berufspflichtverletzung mit einer Ermahnung, Erteilung einer Rüge (ggf. mit Verhängung von Ordnungsgeld bis zu 5.000 €) geahndet oder im berufsgerichtlichen Verfahren verfolgt werden.

Für alle weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an die Kammergeschäftsstelle. Tel. (03 51) 8 26 72 00

(Stand 26.05.2016)


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6. Leipziger Tierärztekongress 2012