Vorerst kein Tarifvertrag für TFA

25.​11.​2024

Pressemitteilung des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte e. V. vom 15.11.2024:

 

15.11.2024

Vorerst kein Tarifvertrag für TFA Unrealistisch hohe Forderungen verhindern Einigung im Tarifstreit

Wie bereits berichtet, war nach der Kündigung sowohl des Gehalts- als auch des Manteltarifvertrags für die Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA) durch den Verband medizinischer Fachberufe (vmf) zum 30. September klar, dass es wegen des damit verbundenen strukturellen Anpassungsbedarfs für die beiden in die Jahre gekommenen Tarifverträge zu langwierigen Verhandlungen kommen würde. Diese sind nun gescheitert.

 

Trotz der im Vorgriff auf die GOT 2022 erfolgten Lohnerhöhung und der Vorverhandlungen im Sommer waren die Forderungen des vmf auch in der neuen Verhandlungsrunde im Oktober so hoch, dass sowohl die kleine als auch die große Tarifkommission des bpt sich entschlossen hatten, nach Ablauf der Friedenspflicht die bpt-Delegiertenversammlung, wie mit dem vmf abgesprochen, einzubeziehen. Dabei ging es v.a. darum, festzustellen, ob und in welcher Höhe die vom vmf gestellten Forderungen der breiten Basis der Tierärzteschaft zuzumuten seien. Die Delegiertenversammlung hat am Donnerstag, den 14. November entschieden, keine weiteren Verhandlungen anzustreben, sondern ausschließlich die rechtlich notwendigen Anpassungen des bestehenden Manteltarifvertrags vorzunehmen.

 

bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder bedauert das Scheitern der Verhandlungen: „Die TFAs sind ein wesentlicher Faktor für den Praxiserfolg. Sie haben eine qualitativ hochwertige Ausbildung, leisten großartige Arbeit und sollen für ihre Leistung selbstverständlich auch die verdiente Wertschätzung erfahren. Leider können wir uns nicht einigen, wie hoch die Tarifanpassungen sein sollen.“ In der sorgfältigen Abwägung des Spannungsfelds zwischen dem Verlust von Mitgliedern durch einen hohen Tarifabschluss gegenüber dem existierenden und sich gegebenenfalls weiter verstärkenden Fachkräftemangel konnte keine Tarifeinigung im vertretbaren Rahmen erzielt werden. Da die Tarifregeln bundesweit, also auch in strukturschwachen Regionen gelten, wären die resultierenden Preiserhöhungen weder für die Tierhalter noch für die Praxen tragbar. Zudem wird auch jetzt schon in Regionen mit hohen Lebenshaltungskosten deutlich über Tarif bezahlt. „Keines unserer Angebote konnte die Arbeitnehmerseite überzeugen, die mit unrealistischen Ansprüchen angetreten ist.“

Ob und wann die Verhandlungen fortgesetzt werden, ist derzeit unklar.

 

Ansprechpartner:
Heiko Färber (bpt-Geschäftsführer)
Tel.: 0170-8565248
E-Mail:

 


Pressemeldung des Verbandes medizinischen Fachberufe e. V. vom 15.11.2024:

 

15.11.2024 | Pressemeldung

TFA-Tarifverträge: bpt bricht Verhandlungen ab

Die Delegiertenversammlung des Bundesverbandes Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) hat beschlossen, alle bisherigen Ergebnisse der Verhandlungen zum Mantel- und Gehaltstarifvertrag mit dem Verband medizinischer Fachberufe e.V. (vmf) zu verwerfen und auch nicht mehr fortzusetzen. In einer kurzen E-Mail hat der bpt-Vorstand den vmf gestern Abend über diese Entscheidung informiert. Rechtlich notwendige Änderungen im Manteltarifvertrag sollen noch vorgenommen werden.

Dazu erklärt die vmf Präsidentin Hannelore König: „Die bpt-Delegierten werfen alle Erfolge, die in den vergangenen Monaten mühsam errungen wurden, über Bord und verweigern weitere Verhandlungen. Dies betrifft insbesondere die Gehälter, die Ausbildungsvergütung und die Einführung einer weiteren Tätigkeitsgruppe für TFA mit anerkannten Zusatzqualifikationen oder Aufstiegsfortbildungen und damit die Karrierepfade von TFA. 

Der bpt koppelt die TFA damit - trotz positiver wirtschaftlicher Entwicklungen in der Branche - von jeglicher Gehaltserhöhung ab. TFA bleiben mit einem Einstiegsgehalt von 14,01 Euro als hochqualifizierte Fachkräfte im unteren Entgeltbereich abgehängt. Der Abstand zum gesetzlichen Mindestlohn verringert sich zum 1. Januar 2025 auf 1,19 Euro pro Stunde. Die Ausbildungsvergütung für TFA beträgt durchschnittlich 870 Euro und liegt mehr als 18 Prozent unter den durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen. 

Mit dieser kurzsichtigen Entscheidung wird der Fachkräfteengpass bei den TFA verschärft, mittel- bis langfristig gefährdet das auch die veterinärmedizinische Versorgung. 

1987 hat unser Verband den ersten Mantel- und Gehaltstarifvertrag mit dem bpt abgeschlossen. Seither wurde kontinuierlich verhandelt und die Tarifverträge weiterentwickelt. Noch im September hatte bpt-Präsident Dr. Moder beim DACH-Wirtschaftsforum erklärt, es besser machen zu wollen als die Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft. Der gestrige Schlussstrich hat das noch weit übertroffen. Sieht so eine Tarifpartnerschaft und eine Verantwortung der Arbeitgeberseite aus?“

Die bestehenden Tarifverträge befinden sich in der Nachwirkung und gelten weiter. Ebenso läuft die Umfrage weiter und wurde bis zum 25. November 2024 verlängert. vmf-Mitglieder können im internen Mitgliederbereich dann auch über Arbeitskampfmaßnahmen abstimmen. 

 


Pressemitteilung des Verbandes medizinischen Fachberufe e. V. vom 26.11.2024:

 

TFA-Tarifverhandlungen scheitern

Arbeitskampfmaßnahmen in Vorbereitung, um Tarifverhandlungen wieder aufzunehmen

Die Tarifverhandlungen für Tiermedizinische Fachangestellte (TFA) zwischen dem Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt) und dem Verband medizinischer Fachberufe e.V. (vmf) sind offiziell gescheitert.

Mitte November hatte die Delegiertenversammlung des bpt beschlossen, alle bisherigen Ergebnisse zu verwerfen und die Verhandlungen nicht mehr fortzusetzen. Nachdem auch weitere Kontaktversuche mit dem bpt erfolglos blieben, hat der erweiterte Bundesvorstand des vmf am vergangenen Wochenende dem Vorschlag der TFA-Tarifkommissionen zugestimmt und die Verhandlungen als gescheitert erklärt. Gleichzeitig wurde beschlossen, Arbeitskampfmaßnahmen einzuleiten. Ziel ist die Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen für TFA mit dem bpt.

Die Tarifrunde war am 4. Juli mit einem von beiden Seiten als durchaus konstruktiv empfundenen Sondierungsgespräch gestartet. Rechtzeitig vor dem ersten Verhandlungstermin Ende August hatte der vmf seine Konkretisierungen der Forderungen aus dem Mantel- und Gehaltstarifvertrag dem bpt übermittelt. Teil dieses Pakets war eine tarifliche Regelung zur Zahlung einer Inflationsausgleichsprämie, über die am Verhandlungstisch Konsens hergestellt wurde. Knapp zwei Wochen später informierte der bpt darüber, dass seinerseits noch Änderungsbedarf bestünde. Die Nachverhandlung dazu erfolgte per Videokonferenz. Das Ergebnis der Einigung wurde allerdings vom bpt zurückgezogen und die Gewährung einer Inflationsausgleichsprämie schließlich ganz gestrichen.

In der Tarifrunde vom 23. Oktober einigte man sich auf ein Gesamtpaket zum Mantel- und Gehaltstarifvertrag, das in Teilen bei der bpt-Delegiertenkonferenz abgestimmt werden sollte. Punkte, zu denen noch kein Konsens bestand, sollten abschließend beim letzten vereinbarten Verhandlungstermin am 10. Dezember auf den Tisch kommen.

Die bpt-Delegiertenversammlung lehnte dieses Paket mit der Begründung ab, der vmf hätte unrealistisch hohe Forderungen gestellt.

Dazu erklärt vmf-Präsidentin und Verhandlungsführerin Hannelore König: „Natürlich liegen die Vorstellungen zu Beginn von Tarifverhandlungen weit auseinander. Wir haben in der ersten Verhandlungsrunde ein Plus von 450 Euro in der ersten Tätigkeitsgruppe gefordert, damit der Einstiegsbruttostundenlohn auf 16,61 Euro steigt. Im zweiten Jahr war eine weitere Erhöhung um 8 Prozent unser Ziel. Von Arbeitgeberseite kam zuerst ein Vorschlag über 5,5 Prozent, später über insgesamt 7 Prozent für zwei Jahre, dann 5 Prozent für ein Jahr sowie eine Einmalzahlung von 300 Euro für den Zeitraum vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2024. In buchstäblich letzter Minute der zweiten Verhandlungsrunde lag das bpt-Angebot bei 8 Prozent über zwei Jahre. Wir hatten uns intern vorab auf 12,5 Prozent für 15 Monate verständigt und legten auf Wunsch des bpt im Anschluss noch drei Alternativen für längere Laufzeiten vor, die alle in etwa bei 15 Prozent für 27 Monate lagen. Wir wissen nicht, über welches Angebot bei der bpt-Delegiertenversammlung abgestimmt wurde. Denn unsere Signale zur Verhandlungsbereitschaft wurden ignoriert. Mit Blick auf die durchweg positive Einschätzung zur Lage der deutschen Tierärzteschaft beim diesjährigen D-A-CH-Wirtschaftsforum im September in München bestätigt sich aber leider der Verdacht, dass es den bpt-Vertretern gar nicht darum geht, die Arbeitsbedingungen der Tiermedizinischen Fachangestellten zu verbessern und die qualifizierten und sehr an Fortbildung interessierten Arbeitskräfte zu binden. Das tarifliche Einstiegsgehalt von TFA liegt seit dem 1. Oktober 2022 bei 2.423 Euro. Erst ab dem 5. Berufsjahr wird die Schwelle zum unteren Entgeltbereich überschritten. Das Mediangehalt von vollzeitbeschäftigten TFA gibt die Bundesagentur für Arbeit im Jahr 2023 mit 2.663 Euro an.“

Die Fortsetzung der seit 1987 bestehenden Tarifpartnerschaft sei derzeit offen, ergänzt TFA-Referatsleiterin Katrin Hammermann. Beide sind sich aber sicher, dass sie gemeinsam mit den Berufsangehörigen Aktivitäten entwickeln werden, die die Zukunft der Berufsangehörigen sichern und die Arbeitsbedingungen verbessern.